Con:trust

Quelle: Wikipedia

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con:trust – das deutsche Akkordeon-Duo zwischen Klassik, Gegenwart und musikalischer Grenzüberschreitung
Ein Duo mit Leidenschaft, Virtuosität und überraschender Strahlkraft
con:trust ist ein deutsches Akkordeon-Duo, das aus Marius Staible und Daniel Roth besteht und sich mit einer ungewöhnlich offenen, stilistisch vielseitigen Musikkarriere einen Namen gemacht hat. Das Ensemble bewegt sich zwischen klassischer Literatur, zeitgenössischer Musik, Eigenkompositionen, Arrangements und performativen Formaten, die das Akkordeon aus seiner Nische herausholen. Gerade diese Mischung aus technischer Präzision, Spielfreude und Konzeptbewusstsein macht con:trust zu einem der spannendsten jungen Kammermusikprojekte im deutschsprachigen Raum.
Der Name steht für Kontrast und Vertrauen, zwei Pole, die das Duo nicht nur musikalisch, sondern auch als künstlerische Haltung prägen. Auf der Bühne entsteht daraus eine intensive Bühnenpräsenz, in der feine Dynamik, rhythmische Energie und ein bemerkenswertes Gespür für Klangfarben zusammenfinden. con:trust versteht sich nicht als reines Repertoire-Ensemble, sondern als kreatives Labor für das Akkordeon als Instrument der Gegenwart.
Die frühen Jahre: Freundschaft, Studium und ein gemeinsamer Klang
Die Geschichte von con:trust beginnt 2016 beim Akkordeon-Meisterkurs in Ottweiler, wo sich Daniel Roth und Marius Staible bereits von früheren Kursen und Wettbewerben kannten und erstmals im selben Zimmer untergebracht waren. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, die nach Angaben des Duos bald zu einer fast täglichen musikalischen Praxis wurde. 2017 gab das frisch benannte Duo seinen ersten Auftritt bei einem renommierten Kammermusikwettbewerb in Val Tidone in Italien und gewann dort als jüngstes Teilnehmerpaar erste Preise in zwei Kategorien.
Dieser frühe Erfolg markierte mehr als nur einen Wettbewerbssieg. Er zeigte, dass sich hier zwei junge Musiker gefunden hatten, deren künstlerische Entwicklung auf gegenseitigem Vertrauen und klarer Profilbildung beruhte. Schon früh verband con:trust die Idee, das Akkordeon nicht als Folklore-Instrument zu behandeln, sondern als wandelbares Ausdrucksmittel für Kammermusik, Transkription und zeitgenössische Komposition.
Der Aufbau einer unverwechselbaren Musikkarriere
Nach den ersten Wettbewerbserfolgen folgten Auftritte in der Berliner Philharmonie sowie Konzerte bei Festivals und Veranstaltungsreihen, darunter das Kurt Weill Fest, das Liquid Sound Festival und die Bachspiele. Das Duo entwickelte dabei ein Repertoire, das klassische Werke von Bach, Scarlatti und Ravel ebenso einschloss wie Jazz-Transkriptionen und Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Diese programmatische Offenheit verschaffte con:trust ein Profil, das sich deutlich von traditionellen Akkordeon-Acts absetzt.
Besonders wichtig für die künstlerische Entwicklung war die Zeit in Weimar. Dort studierte Daniel Roth Musiktheorie als Zweitfach, während Marius Staible sich mit Neuer Musik beschäftigte. Aus diesen unterschiedlichen Schwerpunkten entstand eine produktive Reibung, die das Duo gezielt in Komposition, Arrangement und Produktion neuer Musik überführte. con:trust entwickelte so nicht nur ein Repertoire, sondern einen eigenen Klangkosmos.
Zwischen Originalmusik, Arrangements und experimenteller Produktion
Ein zentrales Merkmal von con:trust ist die Arbeit an neuer Musik für zwei Akkordeons. 2019 erschienen mit „Rayo de Sol“ und „El Mafioso“ zwei Eigenkompositionen für diese Besetzung, die auf der Website des Duos dokumentiert sind. Gleichzeitig veröffentlichte con:trust Live- und Studiomaterial, das die stilistische Breite des Projekts sichtbar macht: von barocken und romantischen Bearbeitungen bis hin zu moderneren, jazznahen und experimentellen Zugängen.
Besonders markant ist die Zusammenarbeit mit dem Cellisten Eloy Medina, aus der eine EP entstand, auf der innovative Klanggeräusche von Akkordeon und Cello zu melodischen House- und Drum’n’Bass-Beats verarbeitet wurden. Damit verließ con:trust bewusst die rein akustische Kammermusikperspektive und öffnete sich einer hybriden Produktion, die Klassik, elektronische Denkweisen und improvisatorische Impulse verbindet. Diese künstlerische Bewegung verweist auf eine seltene Konsequenz: das Instrument nicht nur zu interpretieren, sondern klanglich neu zu denken.
Auszeichnungen und Anerkennung in der Fachwelt
Die Liste der Auszeichnungen unterstreicht die Autorität des Duos im Akkordeon- und Kammermusikbereich. Marius Staible gewann 2021 den ersten Preis beim Internationalen Akkordeonwettbewerb in Vilnius, während Daniel Roth 2023 in Belgien den ersten Preis in der Varieté-Kategorie bei accordeons-nous.org errang. 2022 wurde con:trust zudem mit dem Franz Liszt Preis an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar als kammermusikalische Besetzung ausgezeichnet.
Diese Ehrungen sind mehr als bloße Karrierepunkte. Sie belegen die hohe fachliche Qualität des Duos und seine Akzeptanz in einem Umfeld, das sowohl klassische Exzellenz als auch programmatische Neugier verlangt. Gerade die Franz-Liszt-Auszeichnung wirkt dabei symbolisch stark, weil sie die Akkordeontradition einer Hochschule würdigt, an der ein solches Ensemble zuvor noch nie in dieser Form ausgezeichnet worden war.
Soziale Medien, Publikum und künstlerische Sichtbarkeit
Während der Pandemie veränderte sich die Außenwirkung von con:trust deutlich. Das Duo baute auf Instagram und TikTok eine breite Reichweite auf und wurde durch kurzweilige Videos einem größeren Publikum bekannt, insbesondere jüngeren Musikerinnen und Musikern. Die Website des Duos verweist darauf, dass diese Arbeit von MDR Thüringen und Deutschlandfunk Kultur porträtiert wurde und con:trust in dieser Zeit als Vorbild wahrgenommen wurde.
Auch Facebook spielte eine Rolle als Dokumentationsraum für Vlogs und Einblicke hinter die Kulissen. Diese digitale Präsenz ist für ein Kammermusikduo bemerkenswert, weil sie die klassische Konzertform mit einem niedrigschwelligen, zeitgemäßen Zugang ergänzt. con:trust nutzt Medien nicht als bloßes Marketinginstrument, sondern als Erweiterung des künstlerischen Raums.
Konzerte, Projekte und die Öffnung des Akkordeons
2022 realisierte das Duo gemeinsam mit Live Music Now in Weimar ein Projekt mit Strafgefangenen der JVA Hohenleuben und führte in Greiz ein Konzert auf, das aus Texten der Gefangenen und Kompositionen des Duos zusammengesetzt war. Die Arbeit wurde anschließend bei ARD und ZDF portraitiert und zeigt, dass con:trust den gesellschaftlichen Kontext von Musik ernst nimmt. Hier wird das Akkordeon zum Medium von Austausch, Empathie und kultureller Teilhabe.
2024 ging con:trust einen weiteren spektakulären Schritt und trat bei „Das Supertalent“ auf. Der Auftritt ohne Playback, ohne Drums und ohne große Show setzte auf die reine Präsenz zweier Musiker und ihres Instruments. Gleichzeitig entstanden im selben Jahr zehn neue Kompositionen für Akkordeon-Duo, die in Toronto, New York und Berlin uraufgeführt wurden; das Projekt gilt als eines der wichtigsten des Ensembles, weil es die ohnehin rare Originalliteratur für diese Besetzung erweitert.
Aktuelle Projekte: Weimar, Theater und neue Horizonte
Auch 2025 blieb con:trust präsent und vielseitig. Das Duo wirkte an der Weimarer und Bayreuther Aufführung von „Jedermann“ mit und stand dabei gemeinsam mit mehreren Schauspielerinnen und Schauspielern auf der Bühne. Zudem wurde con:trust für den John Cage Award 2025 ausgewählt und präsentierte dort ein Programm mit Uraufführungen, Improvisationen mit ChatGPT sowie Werken von Pauline Oliveros, Uroš Rojko, Chen Shuhe Yue, José Eduardo Muñoz und Jukka Tiensuu.
Diese aktuellen Projekte zeigen den Kern der künstlerischen Identität: con:trust bleibt nicht bei der virtuosen Reproduktion stehen, sondern arbeitet an einer offenen, dialogischen und zeitgenössischen Form von Akkordeonkunst. Das Duo denkt Kammermusik als lebendiges System, in dem Interpretation, Experiment, Körperlichkeit und Gegenwart ineinandergreifen.
Musikalischer Stil und kultureller Einfluss
Stilistisch lebt con:trust von Kontrasten. Das Duo verbindet klassische Linienführung mit rhythmischer Präzision, klanglicher Transparenz und einem ausgeprägten Sinn für dramaturgische Zuspitzung. Im Zusammenspiel treten technische Beherrschung und rhythmische Flexibilität ebenso hervor wie die Fähigkeit, Arrangements und Eigenkompositionen zu einer geschlossenen künstlerischen Sprache zu formen.
Der kulturelle Einfluss des Duos liegt vor allem in der Neubewertung des Akkordeons. con:trust zeigt, dass das Instrument weit über traditionelle Zuschreibungen hinausgeht und in Kammermusik, neuer Musik, Crossover-Formaten und sozialen Projekten eine erstaunliche Aktualität besitzt. Gerade diese Vielseitigkeit macht das Duo für Musikliebhaber, Festivalpublikum und junge Instrumentalistinnen und Instrumentalisten gleichermaßen spannend.
Diskographie und dokumentierte Veröffentlichungen
Zur dokumentierten Arbeit des Duos gehören die Eigenkompositionen „Rayo de Sol“ und „El Mafioso“ für zwei Akkordeons aus dem Jahr 2019 sowie eine CD mit Einspielungen verschollener Kompositionen der Loheland-Bewegung, die in Zusammenarbeit mit dem Vonderau Museum Fulda und der Loheland Stiftung entstand. Hinzu kommen die EP mit Eloy Medina und die auf dem Zweitkanal veröffentlichten Soloarbeiten „A Daily Practice for failed Oracles“ und „Jeux de lumière“. Diese Veröffentlichungen zeichnen sich durch ihre Verbindung von Repertoirepflege, Neuschöpfung und experimenteller Klangforschung aus.
Die Diskographie von con:trust ist weniger auf charttaugliche Hits als auf musikalische Relevanz und konzeptionelle Tiefe ausgerichtet. Genau darin liegt ihre Stärke: Die Veröffentlichungen dokumentieren eine Entwicklung, die vom klassischen Wettbewerbserfolg zur eigenständigen künstlerischen Handschrift führt. Wer das Duo hört, begegnet keiner bloßen Virtuosität, sondern einer reflektierten, zeitgenössischen Ästhetik.
Fazit: Warum con:trust ein Duo ist, das man erleben sollte
con:trust verbindet technische Klasse, stilistische Offenheit und eine klare künstlerische Haltung zu einer außergewöhnlich eigenständigen Form von Akkordeonmusik. Das Duo steht für eine Musikkarriere, die aus Wettbewerbserfolgen, kreativen Projekten, sozialem Engagement und experimenteller Neugier gewachsen ist. Gerade diese Mischung macht con:trust zu einem spannenden Namen in der aktuellen Musiklandschaft.
Wer erleben will, wie das Akkordeon im 21. Jahrhundert klingt, sollte con:trust live sehen. Auf der Bühne entfaltet das Duo jene Spannung, aus der seine besondere Strahlkraft entsteht: Präzision trifft Freiheit, Tradition trifft Gegenwart, Kontrast trifft Vertrauen.
Offizielle Kanäle von con:trust:
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