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Julia Hülsmann

Julia Hülsmann

Quelle: Wikipedia

Julia Hülsmann – Poetin des europäischen Jazzpianos

Wie aus Lyrik Linien werden: Die faszinierende Klangwelt der Berliner Jazzpianistin

Julia Hülsmann, 1968 in Bonn geboren und seit 2006 in Berlin zuhause, gehört zu den maßgeblichen Stimmen des europäischen Jazz. Ihre Musikkarriere verbindet pianistische Eleganz mit literarischer Inspiration: Immer wieder entfalten sich ihre Kompositionen aus Gedichtzeilen und poetischen Bildern. Mit ihrem langjährigen Trio und dem späteren Quartett hat sie ihren unverwechselbaren Sound kultiviert – transparent, melodiebetont, kammermusikalisch – und auf internationalen Bühnen verankert. Ihre künstlerische Entwicklung führt von frühen Singer-Songwriter-Einflüssen über postbop-geschulte Improvisation bis zu kontemplativen, fein nuancierten Klangräumen der Gegenwart.

Biografische Anfänge: Vom klassischen Unterricht zur Jazzsprache

Die Pianistin erhielt ab dem elften Lebensjahr klassischen Unterricht und fand früh zur Bühne. 1991 zog sie nach Berlin, um an der Hochschule der Künste (heute UdK) Jazzpiano zu studieren – bei prägenden Persönlichkeiten wie Walter Norris, Aki Takase und David Friedman. Workshops mit Bill Dobbins, John Taylor oder Jane Ira Bloom schärften ihr Gehör für Form, Harmonie und improvisatorische Dramaturgie. 1992 wurde sie Mitglied im Bundesjugendjazzorchester unter Peter Herbolzheimer; 1996 schloss sie ihr Studium mit einer Arbeit über das Selbstbild weiblicher Jazzpianistinnen ab. Diese frühe Reflexion über Rolle, Repertoire und Bühnenpräsenz prägt bis heute ihren souveränen Gestus zwischen kammermusikalischer Intimität und klarer künstlerischer Haltung. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_H%C3%BClsmann?utm_source=openai))

Erste Wegmarken: Trio-Gründung, New-York-Stipendium und literarische Vorlagen

Seit 1997 formte Hülsmann ihr Trio als kreative Keimzelle. Ein Senatsstipendium ermöglichte ihr 2000 Studienaufenthalte in New York, u. a. bei Richie Beirach und Maria Schneider. Früh zeigte sich ihre Affinität zu Lyrik: Scattering Poems (2003) mit Rebekka Bakken basiert auf Texten von E. E. Cummings und wurde in Deutschland mit Gold ausgezeichnet. Projekte mit Anna Lauvergnac (Come Closer, 2004; Randy-Newman-Songbook) und Roger Cicero (Good Morning Midnight, 2006; Emily Dickinson) unterstrichen ihren Sinn für Form, Sprache und Gesangslinie – stets getragen von sorgfältiger Komposition, differenziertem Arrangement und einem Trio-Sound, der Raum atmen lässt. ([de.wikipedia.org](https://de.wikipedia.org/wiki/Julia_H%C3%BClsmann?utm_source=openai))

ECM-Jahre: Poetik der Melodie und die Kunst der Reduktion

Mit dem ECM-Debüt The End of a Summer (2008) profilierte sich das Trio – mit Marc Muellbauer (Bass) und Heinrich Köbberling (Schlagzeug) – als fein austariertes Kollektiv. Die Produktion aus dem Rainbow Studio in Oslo zeigte, wie Hülsmann Melodie, Stille und Formspannung in idealem Gleichgewicht hält. Das Folgealbum Imprint (2011) vertiefte diese Ästhetik: klare Themen, organisches Zusammenspiel, ein Tonfall, der poetische Prägnanz mit subtiler rhythmischer Elastizität verbindet. Diese Handschrift blieb auch in späteren Formationen prägend – etwa in In Full View (2013) mit Tom Arthurs oder A Clear Midnight: Kurt Weill and America (2015) mit Theo Bleckmann, wo sie die Musikhistorie der 1920er/30er Jahre sensibel in die Gegenwart projiziert. ([ecmrecords.com](https://ecmrecords.com/product/the-end-of-a-summer-julia-hulsmann-trio/?utm_source=openai))

Quartett und Erweiterungen: Neue Farben, neue Linien

2019 öffnete Hülsmann ihr Trio-Klangideal für Tenorsaxofonist Uli Kempendorff: Not Far From Here markiert das Quartett als agiles Erzählkollektiv, das Postbop-Impulse mit moderner Klangarchitektur verbindet. 2022 folgte The Next Door – eine Verdichtung des Ensembleklangs zwischen lyrischer Motivarbeit und fließender Interaktion. 2025 erschien Under The Surface: Der Quartettklang gewinnt durch die norwegische Trompeterin und Bukkehorn-Spielerin Hildegunn Øiseth auf mehreren Stücken eine zusätzliche, organisch integrierte Farbe. Aufnahmen, Produktionsdetails und Touraktivitäten dokumentieren die Kontinuität eines Ensembles, das mit ruhiger Autorität immer neue Räume öffnet. ([ecmrecords.com](https://ecmrecords.com/product/the-next-door-julia-hulsmann-quartet/?utm_source=openai))

Aktuelle Projekte 2025/2026: Unter der Oberfläche – und darüber hinaus

Under The Surface (VÖ 31. Januar 2025) bündelt zehn Kompositionen, die Hülsmanns melodische Fantasie, ihre strukturelle Klarheit und ihr Gespür für dynamische Mikroformen spiegeln. Die Titel – von They Stumble, They Walk bis Milkweed Monarch – entfalten eine dramaturgische Kurve zwischen pulsierender Kollektiv-Interaktion und kammermusikalischer Ruhe. 2026 schlägt Hülsmann ein neues Kapitel auf: While I Was Away, ein Oktettprojekt mit herausragenden Instrumentalistinnen und Sängerinnen, erweitert ihren Klangkosmos um Streicherfarben und mehrstimmige Stimmenführung. Das Repertoire verbindet Originale mit eigenständigen Lesarten populärer Vorlagen – ein Statement für Komposition, Arrangement und Produktion in größerer Besetzung. Tourdaten 2026 (u. a. Berlin, Wuppertal, Singen) unterstreichen die Vitalität ihres Live-Formats. ([prestomusic.com](https://www.prestomusic.com/jazz/products/9735912--julia-hulsmann-under-the-surface?utm_source=openai))

Diskographie im Überblick: Von Trio-Poetik zu orchestraler Weite

Wesentliche Albumstationen: Trio (2000; BIT/Jazzhaus), Scattering Poems (2003; ACT), Come Closer (2004; ACT), Good Morning Midnight (2006; ACT), The End of a Summer (2008; ECM), Imprint (2011; ECM), In Full View (2013; ECM), A Clear Midnight: Kurt Weill and America (2015; ECM), Sooner and Later (2017; ECM), Not Far From Here (2019; ECM), The Next Door (2022; ECM), Under The Surface (2025; ECM). Diese Diskographie zeigt eine konsequente künstlerische Entwicklung – von der Stimme-basierten Lyrik-Vertonung hin zur reifen Instrumentalsprache, die sich im Quartett und darüber hinaus orchestriert. ([juliahuelsmann.com](https://www.juliahuelsmann.com/about))

Stil und Sound: Melodie als Formprinzip

Hülsmanns Spiel lebt von sanglicher Linienführung, fein dosierter Dynamik und harmonischer Transparenz. Ihre Kompositionen greifen poetische Strukturen auf und formen sie in klare Motive, die das Ensemble gleichberechtigt trägt. In der Produktion stehen Klangbild und Raumtiefe im Vordergrund – Aufnahmen im Rainbow Studio oder unter ECM-Ägide begünstigen ein akustisches Panorama, in dem Nuancen hörbar werden: der atmende Bass, das pinselnde Schlagzeug, die klar skizzierte Klavierstimme, die nie bloß begleitet, sondern dramaturgisch führt. Kritiken hoben wiederholt die „poetische“ Handschrift, das melodische Gewicht und die demokratische Interaktion des Ensembles hervor – Qualitätsmerkmale, die ihr Werk im ECM-Kontext profilieren. ([ecmrecords.com](https://ecmrecords.com/product/the-end-of-a-summer-julia-hulsmann-trio/?utm_source=openai))

Kultureller Einfluss und Lehre: Von der Bühne ins System

Über die Bühne hinaus wirkt Hülsmann als Impulsgeberin im Musikleben: Sie war Mitinitiatorin des JazzMusikerAufrufs (2012) und erste Vorsitzende der Union Deutscher Jazzmusiker (2012–2013). Seit 2020 ist sie Professorin an der Universität der Künste Berlin (Jazz/Pop-Klavier und Ensembleleitung). 2025 wurde sie zum Ehrenmitglied des Deutschen Musikrats ernannt – eine Auszeichnung für künstlerische Exzellenz und kulturpolitisches Engagement. Diese Institutionserfahrung fließt zurück in ihre Projekte: in Form von programmatischen Kuratierungen, in Kooperationen mit Bigbands (NDR, HR) und in einer kontinuierlichen Nachwuchsförderung, die die Vertrauenswürdigkeit und Relevanz ihrer Arbeit sichtbar macht. ([juliahuelsmann.com](https://www.juliahuelsmann.com/about))

Preiswürdige Konstanz: Auszeichnungen und Rezeption

Frühe Erfolge begleiteten ihren Weg: Scattering Poems erhielt in Deutschland Gold; das Trio wurde 2008 mit dem Jazzpott ausgezeichnet. 2016 ehrte man Hülsmann mit dem SWR Jazzpreis und dem WDR-Ehrenpreis; 2020 und 2021 honorierte der Deutsche Jazzpreis Not Far From Here und die Ensembleleistung ihres Quartetts. In der internationalen Presse findet ihr Oeuvre stetig Resonanz – vom disziplinierten Trio-Swing bis zur klangmalerischen Ruhe, die nie in Beliebigkeit kippt, sondern melodische Konzentration wahrt. Diese Kontinuität macht ihre Diskographie zur Referenz für kammermusikalisch geprägten Jazz unserer Zeit. ([en.wikipedia.org](https://en.wikipedia.org/wiki/Julia_H%C3%BClsmann?utm_source=openai))

Hörleitfaden: Einstieg und Vertiefung

Wer den Zugang sucht, beginnt mit The End of a Summer (Trio) – ein Lehrstück melodiezentrierter Klavierkunst. Imprint vertieft das Formbewusstsein, In Full View öffnet den Raum für neue Frontlinien; A Clear Midnight (mit Theo Bleckmann) zeigt Hülsmanns Liedverständnis zwischen Kunstlied und Jazzballade. Not Far From Here und The Next Door verdeutlichen die Quartettchemie, während Under The Surface den organischen Umgang mit einer Gaststimme demonstriert. Jede Veröffentlichung erschließt ein anderes Kapitel der gleichen Ästhetik: Melodie als Dramaturgie, Arrangement als Erzählung, Improvisation als konzentrierte Rede. ([ecmrecords.com](https://ecmrecords.com/product/the-end-of-a-summer-julia-hulsmann-trio/?utm_source=openai))

Fazit: Warum Julia Hülsmann live erleben?

Weil ihre Musik still leuchtet. Hülsmanns künstlerische Entwicklung zeigt, wie eine klare Idee – Lyrik in Klang zu übersetzen – über Jahrzehnte tragfähig bleibt und sich zugleich erneuert. Ihre Bühnenpräsenz ist konzentriert, die Kommunikation im Ensemble telepathisch, der Spannungsbogen präzise: Ein Konzert ihres Quartetts oder ihrer neuen Oktettformation ist ein Lehrstück in Zuhören, Raumgestaltung und melodischer Imagination. Wer wissen will, wie moderner europäischer Jazz poetisch, zugänglich und zugleich substanziell klingen kann, erlebt dies bei Julia Hülsmann in Reinform – am besten live, wo die Musik am meisten atmet. ([ecmrecords.com](https://ecmrecords.com/product/under-the-surface-julia-hulsmann-quartet/?utm_source=openai))

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