Vater (Le Père) im Theater Lindau: Große Schauspielkunst berührt Lindau


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Ein Abend, der nachhallt: Vater (Le Père) in Lindau
Ein Mann verliert den Halt, die Welt verrutscht um Millimeter – und wird zur klaustrophobischen Bühne der Erinnerung. Florian Zellers Vater (Le Père) entfaltet in Lindau ein Bühnenerlebnis, das Psychothriller-Spannung mit berührender Menschlichkeit verbindet. Die Theateratmosphäre im historischen Theater Lindau verdichtet jeden Atemzug: ein Abend über Demenz, Identität und die fragile Zuverlässigkeit unserer Wahrnehmung.
Zwischen Gewissheit und Irritation: Dramaturgie der Erinnerung
Zeller zwingt uns in die Perspektive von André. Szenen kippen, Figuren wechseln, Zeitebenen flirren – wie ein Kaleidoskop, dessen Glas steckengeblieben ist. Die Inszenierung von Theater Konstanz (Regie: Mia Constantine) nutzt dieses dramaturgische Prinzip, um das Publikum sinnlich zu involvieren: Verschiebungen im Bühnenbild, wiederkehrende Requisiten wie die verlorene Armbanduhr und präzise Lichtstimmungen zeichnen das Psychogramm einer Vater-Tochter-Beziehung. So wird aus Schauspielkunst und Regie eine Einladung zum Perspektivwechsel.
Bühnenbild, Licht, Musik: Wenn Details erzählen
Mit der Ausstattung von Johann Brigitte Schima und der Musik von Jan Roth entsteht eine Atmosphäre des schleichenden Unbehagens. Warme Wohnraumtöne kippen ins Kühle, Schattenkanten verschärfen die Konturen, ein Motiv in der Musik verhakt sich wie ein Gedanke. Diese theatralen Mittel werden nie Selbstzweck; sie tragen die Dramaturgie und lassen Publikum und Protagonist dieselbe Unsicherheit teilen.
Schauspielkunst mit Präzision
Das Ensemble um Odo Jergitsch und Sylvana Schneider zeichnet Figuren, die zwischen Fürsorge, Überforderung und Liebe oszillieren. Kurze Pausen, ein Blickwechsel, ein zu lang gehaltener Atem – kleine Nuancen erzeugen große Wirkung. Die Publikumsreaktion: erst Lachen über Andrés Eigensinn, dann Stille, wenn die Risse tiefer werden.
Kontext und Kanon
Le Père, 2012 in Paris uraufgeführt und 2014 mit dem Molière als beste Inszenierung ausgezeichnet, zählt international zu den meistdiskutierten Gegenwartsstücken über Demenz. Die spätere Verfilmung The Father erhielt zwei Oscars – ein Hinweis auf die Bühnenkraft des Stoffs, der hier pur und unmittelbar erfahrbar bleibt.
Fazit
Erwartet ein intensives Theatererlebnis, das Kopf und Herz fordert: ein Abend, der Fragen stellt, statt Antworten zu liefern – und dadurch lange nachklingt. Wer wissen will, wie Bühne Empathie erzeugt, sollte dieses Stück live erleben.
Offizielle Kanäle von Theater Konstanz:
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